Flexibilität ist kein Schlagwort - es ist unser Geschäftsmodell

Interview mit Hilmija Drnda, Vorstandsmitglied der NVision Czech Republic a.s.

Zurückblicken hilft oft, die Gegenwart zu erklären. Bei NVision ist dies besonders offensichtlich: ein Unternehmen, das sich immer wieder neu erfinden musste - und gerade daraus seine Stärke gezogen hat. Hilmija Drnda reflektiert über Transformationen, die viele andere Unternehmen aus der Bahn geworfen hätten. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass es um mehr als nur Anpassung geht - es handelt sich um eine Frage der Denkweise.

Vom Hardware-Pionier zum flexiblen EMS-Partner

NVision Czech Republic a.s. wurde 1993 in einem Markt gegründet, der damals noch weit von den heutigen technologischen Standards entfernt war. Anfangs lag der Schwerpunkt auf eigener Telekommunikationshardware. Jedoch verlor dieses Geschäftsmodell mit dem Aufkommen der IP-Technologie allmählich an Bedeutung.
„Mit dem Aufkommen der IP-Technologien wurde spezialisierte Hardware zunehmend unnötig“, sagt Hilmija Drnda.

Die Antwort des Unternehmens war eine entscheidende strategische Neuausrichtung. NVision entwickelte sich zu einem Anbieter von Electronic Manufacturing Services (EMS) und produziert heute kundenspezifische elektronische Baugruppen für Industriekunden - insbesondere im Automobilsektor, aber auch für Anwendungen in der Gebäudetechnik und der Unterhaltungselektronik. „Wir stellen keine eigenen Produkte her; wir produzieren Elektronik genau nach den Spezifikationen unserer Kunden“, erklärt das Vorstandsmitglied.

Hilmija Drnda, Vorstandsmitglied der NVision Czech Republic a.s.
Hilmija Drnda, Vorstandsmitglied der NVision Czech Republic a.s.

Mit etwa 350 Mitarbeitern und einem Umsatz von ungefähr 65 bis 75 Millionen EUR gehört das Unternehmen nun zu den Top 5 EMS-Anbietern in Zentral- und Osteuropa. Es kommt nicht auf die Größe an, sondern auf die Positionierung: NVision sieht sich als flexibler Partner innerhalb komplexer Lieferketten.

Schnelligkeit als Wettbewerbsvorteil

Die letzten Jahre waren von globalen Krisen geprägt - Pandemie, Störungen in der Lieferkette, geopolitische Spannungen. Für NVision bedeutete das vor allem eines: schnell reagieren.
„Innerhalb eines einzigen Monats konnten wir ein komplettes Projekt aus der Ukraine übernehmen,“ betont der Eigentümer.

Diese Reaktionsfähigkeit ist kein Zufall. Kurze Entscheidungswege, starke lokale Verwurzelung und ein flexibles Personalmodell ermöglichen es dem Unternehmen, Kapazitäten kurzfristig zu erhöhen oder zu verringern.
„Unsere Entscheidungsprozesse sind extrem kurz - das macht uns schneller als viele unserer Wettbewerber,“ weist der Geschäftsführer hin.

Gleichzeitig sind Krisen für NVision nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Während andere zögern, nutzt NVision solche Situationen, um Vertrauen bei Kunden aufzubauen - indem es auch in kritischen Zeiten zuverlässige Lieferungen gewährleistet.

Menschen, Verantwortung und pragmatische Nachhaltigkeit

Trotz aller Technologie bleibt ein Faktor zentral für Hilmija Drnda: die Menschen. Die Belegschaft ist tief in der Region verwurzelt, oft arbeiten mehrere Generationen derselben Familie im Unternehmen. „Erfolgreiches Geschäft dreht sich immer um Menschen, nicht um Technologie,“ sagt Hilmija Drnda.

NVision verfolgt auch einen pragmatischen Ansatz in Bezug auf Nachhaltigkeit. ESG-Anforderungen werden erfüllt - beispielsweise durch Zertifizierungen und Investitionen in Energieeffizienz - aber das Unternehmen bleibt realistisch.
„Wenn ESG-Maßnahmen unsere Kosten erhöhen und Kunden nicht bereit sind, diese zu tragen, müssen wir klare Prioritäten setzen,“ erklärt der Unternehmensvertreter.

Mit Blick nach vorn bleibt die Aussicht optimistisch. Die Nachfrage wächst und die Auftragslage ist stabil. Das Ziel ist klar definiert: NVision strebt danach, der Nummer 1 EMS-Anbieter in Zentral- und Osteuropa zu werden.

Ein ehrgeiziger Plan - aber einer, der zur Firmengeschichte passt.

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