Anführer der Blauen Revolution

Interview mit Bertil Buysse, Geschäftsführer Westeuropa & UK

Mowi betreibt Seefarmen in Nordeuropa sowie in Südamerika
Mowi betreibt Seefarmen in Nordeuropa sowie in Südamerika

Lachs wird weltweit als gesunde und köstliche Proteinquelle immer beliebter. Mowi, mit Hauptsitz in Bergen, Norwegen, ist seit mehr als sechs Jahrzehnten in der Lachszucht tätig und versorgt derzeit etwa acht Millionen Lachsmahlzeiten pro Tag. Geschäftsführer Westeuropa & UK Bertil Buysse sprach mit European Business über aktuelle Markttrends und die Vision von Mowi für die Zukunft.

European Business: Mowi versorgt seine weltweite Kundenbasis täglich mit mehr als acht Millionen Meeresfrüchte-Mahlzeiten. Welche sind die bedeutendsten Veränderungen, die Sie derzeit auf dem Markt beobachten?

Bertil Buysse: Insgesamt sind die Verbraucher heutzutage besser informiert und zeigen ein deutlich höheres Interesse an dem, was sie essen, als in der Vergangenheit. Gesundheit, Ernährung und Transparenz sind zu Schlüsselkriterien geworden. Als Meeresfrüchteproduzent sind wir gut positioniert, um diese Erwartungen zu erfüllen, indem wir hochwertige Proteine mit natürlich hohem Omega-3-Fettsäuregehalt anbieten. Gleichzeitig entwickeln sich die Konsumgewohnheiten ständig weiter. Lachs wird zunehmend in seiner natürlichen Form gegessen – zum Beispiel ungeräuchert, unbehandelt oder als Sashimi – und gewinnt an Bedeutung in fertigen Verzehrfertigen und Essen-to-go-Formaten. Dieser Trend ist eng verbunden mit der sinkenden Zeit, die in privaten Haushalten für die Essenzubereitung aufgewendet wird, eine Entwicklung, die sich in unserem Produktportfolio und unserer Innovationsagenda widerspiegelt.

European Business: Mowi ist global tätig. Inwieweit unterscheiden sich die Verbraucherpräferenzen und Produktanforderungen je nach Region?

Bertil Buysse: Während Westeuropa weiterhin zu den am weitesten entwickelten Märkten gehört, bietet es nach wie vor erhebliches Wachstumspotenzial. Die Verbraucher konzentrieren sich zunehmend auf Nachhaltigkeit und Gesundheit, insbesondere jüngere Generationen achten besonders auf die Proteinaufnahme und das allgemeine Wohlbefinden. In den Vereinigten Staaten beobachten wir eine ausgeprägte Verschiebung von gefrorenen zu frischen Meeresfrüchteprodukten, angetrieben durch fortschrittlichere Logistik- und Lieferketteninfrastrukturen. Diese Entwicklung schafft attraktive Wachstumsmöglichkeiten für Lachs, der Gesundheitsvorteile, Vielseitigkeit und ganzjährige Verfügbarkeit kombiniert. Wir erleben auch rasche Veränderungen in China und anderen asiatischen Märkten. Traditionell wurde der Lachskonsum in diesen Regionen größtenteils außer Haus konsumiert. Heute jedoch erweitert sich der Hauskonsum schnell, wobei Lieferservices als wichtiger Katalysator wirken.

European Business: Welche Implikationen ergeben sich aus diesen Entwicklungen für die globale Logistik von Mowi?

Bertil Buysse: Unser Lachs wird in geografisch von den wichtigen asiatischen Märkten entfernten Regionen gezüchtet, einschließlich Norwegen, Irland und Chile. Infolgedessen bleibt der Luftverkehr ein entscheidender Bestandteil unseres Logistiknetzwerks. Die Produktformate variieren ebenfalls erheblich nach Markt. In vielen asiatischen Ländern wird die Nachfrage noch immer von ganzen Filets dominiert, die die Verbraucher zu Hause portionieren. In diesen Märkten sind typischerweise größere Verpackungseinheiten für den Einzelhandel ausreichend. Im Gegensatz dazu konzentriert sich die Nachfrage in reiferen Märkten wie Frankreich, dem Vereinigten Königreich oder Spanien auf festgewichtige Portionen, die oft vorab mariniert oder gewürzt sind und sofort verzehrt werden können. Obwohl es Zeit dauern wird, bis diese Formate in Asien zum Mainstream werden, sind wir operativ auf diesen Übergang vorbereitet.

European Business: Wie wichtig ist Nachhaltigkeit heute für Mowi und seine Kunden?

Bertil Buysse: Nachhaltigkeit ist eine Kernsäule unserer Strategie, und wir haben in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Während früher mehrere Kilogramm Wildfisch benötigt wurden, um ein Kilogramm Lachs zu züchten, ist die Lachszucht heute ein Nettoproduzent von Protein. Darüber hinaus wird das in unseren Betrieben verwendete Futter aus nachhaltigen Zutaten bezogen, und wir haben umfassende Überwachungssysteme implementiert, um Krankheiten oder potenzielle Auswirkungen auf umliegende Ökosysteme frühzeitig zu erkennen und umgehend korrigierend einzugreifen. Diese Bemühungen spiegeln sich in unabhängigen Bewertungen wider: Mowi wird vom Coller FAIRR Index als der weltweit nachhaltigste Proteinproduzent eingestuft, eine Anerkennung, auf die wir besonders stolz sind. Ebenso wichtig für unsere Verbraucher ist unser unerschütterliches Engagement für Transparenz: Wenn etwas schief geht, beispielsweise wenn ein Sturm einige der Netze in unseren Fischfarmen zerstört und einige unserer Lachse in die Wildnis entkommen, berichten wir darüber öffentlich, damit die Verbraucher unserer Marke ohne Ausnahme vertrauen können.

European Business: Was liegt im Kern der Vision, die Mowi derzeit antreibt?

Bertil Buysse: Mehr als 75% der Erdoberfläche sind von Ozeanen bedeckt, aber weniger als 1% wird derzeit für die Aquakultur genutzt. Obwohl die Lachszucht seit Jahrzehnten existiert, hat die Branche in den letzten Jahren eine tiefgreifende technologische Transformation durchlaufen, von der wir aktiv profitieren. Mowis Ambition ist es, an der Spitze dieser blauen Revolution zu stehen. Zu diesem Zweck arbeiten wir eng mit Partnern wie Google AI zusammen, um jeden einzelnen Lachs zu überwachen, Gesundheitsindikatoren, Krankheitsrisiken und Fütterungsverhalten in Echtzeit zu verfolgen. Durch den Einsatz von Smart Farming-Technologien streben wir danach, die Effizienz zu steigern und gleichzeitig das Tierwohl über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu verbessern. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine entscheidende Ermöglichungsrolle, wird jedoch die menschliche Expertise nicht ersetzen. Tierärzte und Aquakulturspezialisten bleiben essenziell, um verantwortungsvolle und nachhaltige Betriebsabläufe sicherzustellen.

European Business: Wie stellt Mowi sicher, dass es in Anbetracht schnell sich wandelnder Verbraucherpräferenzen agil bleibt?

Bertil Buysse: Unser Geschäftsmodell ist vollständig integriert von Ei bis Teller, was es uns ermöglicht, schnell und einheitlich auf Veränderungen in der Nachfrage entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reagieren. Zusätzlich verfolgen wir eine Doppelstrategie, die die Produktion von Handelsmarken mit einem starken Markenportfolio kombiniert. Unsere Markenprodukte gewähren uns insbesondere direkten Zugang zu Verbraucherinformationen und sofortiges Feedback, was es uns ermöglicht, Trends zu antizipieren, anstatt lediglich auf sie zu reagieren. Letztlich treibt uns ein klares Ziel an: eine gesunde, vielseitige und nachhaltig produzierte Proteinquelle weltweit für Verbraucher zugänglich zu machen.

Bertil Buysse, Geschäftsführer Westeuropa & UK
Bertil Buysse, Geschäftsführer Westeuropa & UK

Bertil Buysse: Obwohl Westeuropa zu den reiferen Märkten gehört, bietet es weiterhin erhebliches Wachstumspotenzial. Die Verbraucher konzentrieren sich zunehmend auf Nachhaltigkeit und Gesundheit, insbesondere die jüngeren Generationen achten besonders auf die Proteinaufnahme und das allgemeine Wohlbefinden. In den Vereinigten Staaten beobachten wir einen markanten Wechsel von gefrorenen zu frischen Meeresfrüchteprodukten, angetrieben durch fortschrittlichere Logistik- und Lieferketteninfrastrukturen. Diese Entwicklung schafft attraktive Wachstumsmöglichkeiten für Lachs, der Gesundheitsvorteile, Vielseitigkeit und ganzjährige Verfügbarkeit miteinander verbindet. Wir beobachten auch schnelle Veränderungen in China und anderen asiatischen Märkten. Traditionell war der Lachskonsum in diesen Regionen größtenteils außer Haus. Heute jedoch nimmt der Konsum zu Hause schnell zu, wobei Lieferdienste einen wichtigen Katalysator darstellen.

Wirtschaftsforum: Was bedeuten diese Entwicklungen für die globalen Logistikoperationen von Mowi?

Bertil Buysse: Unser Lachs wird in geografisch von den wichtigen asiatischen Märkten entfernten Regionen gezüchtet, einschließlich Norwegen, Irland und Chile. Daher bleibt der Luftfrachtverkehr ein kritischer Bestandteil unseres Logistiknetzwerks. Die Produktformate variieren ebenfalls erheblich je nach Markt. In vielen asiatischen Ländern wird die Nachfrage immer noch von ganzen Filets dominiert, die die Verbraucher zu Hause portionieren. In diesen Märkten sind typischerweise größere Verpackungseinheiten für den Einzelhandel ausreichend. Im Gegensatz dazu konzentriert sich die Nachfrage in reiferen Märkten wie Frankreich, Großbritannien oder Spanien auf festgewichtige Portionen, die oft vorgewürzt oder mariniert sind und sofort verzehrt werden können. Obwohl es Zeit dauern wird, bis diese Formate in Asien allgemein üblich werden, sind wir betrieblich auf diese Übergangsphase vorbereitet.

Ein ganzer Lachs von einer der Seefarmen von Mowi
Ein ganzer Lachs von einer der Seefarmen von Mowi

European Business: Wie wichtig ist Nachhaltigkeit heute für Mowi und seine Kunden?

Bertil Buysse: Nachhaltigkeit ist ein zentraler Pfeiler unserer Strategie, und wir haben in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Früher waren mehrere Kilogramm Wildfisch notwendig, um ein Kilogramm Zuchtlachs zu produzieren, doch heute ist die Lachszucht ein Nettoproduzent von Protein. Außerdem stammen die Futterbestandteile, die wir verwenden, aus nachhaltigen Quellen und wir haben umfassende Überwachungssysteme eingeführt, um Krankheiten oder mögliche Auswirkungen auf umliegende Ökosysteme frühzeitig zu erkennen. Dies ermöglicht sofortige Korrekturmaßnahmen. Diese Bemühungen spiegeln sich in unabhängigen Bewertungen wider: Mowi wird vom Coller FAIRR Index als weltweit nachhaltigster Proteinproduzent eingestuft, ein Anerkennung, auf die wir besonders stolz sind. Ebenso wichtig für unsere Verbraucher ist unser unerschütterliches Engagement für Transparenz: Wenn etwas schiefgeht, beispielsweise wenn ein Sturm einige der Netze in unseren Fischfarmen zerstört und einige unserer Lachse in die freie Wildbahn entkommen, berichten wir öffentlich darüber, damit die Verbraucher unserer Marke uneingeschränkt vertrauen können. 

European Business: Was steht derzeit im Zentrum der Vision von Mowi?

Eine köstliche, nachhaltige und gesunde Proteinquelle
Eine köstliche, nachhaltige und gesunde Proteinquelle
Fertiggerichte werden bei Verbrauchern in Europa und den Amerikas immer beliebter
Fertiggerichte werden bei Verbrauchern in Europa und den Amerikas immer beliebter
Räucherlachs wird weltweit bei Verbrauchern eine zunehmend beliebte Proteinquelle
Räucherlachs wird weltweit bei Verbrauchern eine zunehmend beliebte Proteinquelle

Bertil Buysse: Mehr als 75% der Erdoberfläche sind von Ozeanen bedeckt, aber weniger als 1% wird derzeit für die Aquakultur genutzt. Obwohl die Lachszucht seit Jahrzehnten existiert, hat die Branche in den letzten Jahren eine tiefgreifende technologische Transformation durchgemacht, von der wir aktiv profitieren. Mowis Ambition ist es, an der Spitze dieser blauen Revolution zu stehen. Zu diesem Zweck arbeiten wir eng mit Partnern wie Google AI zusammen, um jeden einzelnen Lachs zu überwachen, Gesundheitsindikatoren, Krankheitsrisiken und Fütterungsverhalten in Echtzeit zu verfolgen. Durch den Einsatz intelligenter Landwirtschaftstechnologien streben wir danach, die Effizienz zu steigern und gleichzeitig das Tierwohl über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu verbessern. Künstliche Intelligenz spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende unterstützende Rolle, wird jedoch die menschliche Expertise nicht ersetzen. Tierärzte und Aquakulturspezialisten sind weiterhin unerlässlich, um verantwortungsvolle und nachhaltige Betriebe zu gewährleisten.

European Business: Wie stellt Mowi sicher, dass es in Anbetracht der sich schnell entwickelnden Verbraucherpräferenzen agil bleibt?

Bertil Buysse: Unser Geschäftsmodell ist vollständig integriert, von Ei bis zum Teller, was uns ermöglicht, schnell und konsistent auf Nachfrageänderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reagieren. Zusätzlich verfolgen wir eine Doppelstrategie, die die Produktion von Handelsmarken mit einem starken Markenportfolio kombiniert. Unsere Markenprodukte geben uns insbesondere direkten Zugang zu Verbraucherinsights und sofortiges Feedback, was es uns ermöglicht, Trends zu antizipieren, anstatt nur darauf zu reagieren. Als Ergebnis ergänzen sich unsere Aktivitäten mit Handelsmarken und Markenprodukten nahtlos. Letztendlich treibt uns ein klarer Zweck an: eine gesunde, vielseitige und nachhaltig produzierte Proteinquelle weltweit zugänglich zu machen.

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